Aus 27 mach 6: Weniger Ugly Brown Frogs als angenommen

Medienmitteilung

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Ugly Brown Frog
Ein Vertreter der Ugly Brown Frogs von Borneo: Limnonectes sp. aff. kuhlii. NMBE

Eine aktuelle Studie unter Federführung des Naturhistorischen Museums Bern zeigt, dass die Artenvielfalt an Fröschen auf der Insel Borneo kleiner ist als bisher angenommen. Dies liegt unter anderem am Paarungsverhalten der Tiere.

Wie nicht anders bei einem Hotspot der Biodiversität zu erwarten, beherbergt die Insel Borneo besonders viele Arten von Fröschen. Die Ugly Brown Frogs (Deutsch: Hässliche, braune Frösche), wie diese Gruppe der Gattung Limnonectes von ihren Erforscher:innen mehr oder weniger liebevoll genannt wird, gehören dabei zu den häufigen und weitverbreiteten Vertretern. Sie finden sich auf Borneo in nahezu jedem Gewässer, von Tümpeln auf Meereshöhe bis hin zu Bächen und Mooren im Hochgebirge. Typisch für diese Frösche sind ein etwas untersetzter Körperbau, eine variabel braune Färbung und zahnartige Strukturen im Maul, vor allem bei den Männchen. Obwohl die Ausprägung vieler Merkmale, wie Zeichnung, die Grösse und die Form der Köpfe, in vielen Populationen ausgesprochen variabel ist, wurden sie ursprünglich alle für Angehörige einer oder weniger Arten gehalten. Erste genetische Untersuchungen brachten vor einigen Jahren zutage, dass es sich um mehrere Arten handelt, die anhand äusserer Merkmale jedoch kaum zuverlässig voneinander zu unterscheiden sind. Solche sogenannten kryptischen Arten gibt es in vielen Tiergruppen. Vor allem aus tropischen Lebensräumen ist dieses Phänomen gut bekannt. Mittlerweile wurden aus einer ursprünglichen Art der Ugly Brown Frogs nicht weniger als 27 beschriebene Arten. 

Kriterium für Arten-Anerkennung nicht erfüllt

Unter Leitung des NMBE konnten ganz aktuelle Untersuchungen zeigen, dass viele dieser Arten zwar genetische Unterschiede aufweisen, sich jedoch trotzdem fleissig miteinander fortpflanzen. Damit ist ein wichtiges Kriterium bei der Anerkennung neuer Arten nicht erfüllt: Die Angehörigen biologischer Arten pflanzen sich nur untereinander fort und gehen nicht mit Artfremden fremd. Damit reduziert sich die Anzahl der Arten in diesem Komplex der Ugly Brown Frogs wieder auf sechs. Für diese aufwendige Studie waren viele Jahre internationaler Kooperation und Feldarbeit auf Borneo notwendig, um Hunderte von Proben dieser Frösche zu sammeln und zu analysieren. 

Artenvielfalt abhängig von Klima und Geologie

An diesem Beispiel wird klar, dass die Entstehung neuer Arten meist langsam und allmählich vonstattengeht und immer von äusseren Einflüssen wie Klima und Geologie abhängig ist. Die Evolution dieser genetischen Vielfalt und der daraus entstandenen Arten war sehr wahrscheinlich geprägt von der Entstehung der Gebirge auf Borneo sowie von klimatischen Einflüssen, die in den letzten 30 Millionen Jahren auch die Verbreitung der Vegetation in den Tropen immer wieder verändert haben. Die genaue Kenntnis der Arten, ihrer Verbreitung und Ökologie ist nicht nur für das grundlegende Verständnis von Evolution wichtig, sondern auch für den praktischen Naturschutz. Wie überall auf der Welt sind die Lebensräume auf Borneo durch menschliche Aktivitäten bedroht. Die einstmals fast unberührten Regenwälder sind heute weitgehend verschwunden und durch Siedlungen, Strassen und Landwirtschaft, vor allem Ölpalmen, ersetzt worden.